Altersarmut (kurz:erklärt)

Altersarmut beschreibt einen Mangelzustand in der Lebensphase des Alters. Unter Alter wird die Phase begriffen, die mit dem Renteneintritt zusammentrifft. Der Begriff Armut ist umkämpft. Er betrifft wirtschaftliche, soziale oder auch kulturelle Aspekte und wird unterschieden in absolute und relative Armut. Relative Armut wird am mittleren durchschnittlichen Einkommen gemessen. Relativ arm ist, wer weniger als 60 % dieses Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat.

Am häufigsten sind Frauen von Altersarmut betroffen. Hierfür sind die Erwerbsbiografien von Frauen ursächlich. Sie sind stärker von Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Care-Arbeit betroffen, Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit oder im Niedriglohnsektor. Hinzu kommt die ungleiche Entlohnung weiblicher Arbeit (Gender-Pay-Gap). Männer hingegen sind meist durchgehend vollzeitbeschäftigt. So liegt der daraus folgende Gender-Pension-Gap (der Abstand zwischen den Pensionshöhen) in Westdeutschland bei 42 % und in Ostdeutschland bei 22 %.

Der konservative Wohlfahrtsstaat, der sich in Deutschland im 20. Jh. entwickelte, führte dazu, dass die Absicherung im Alter von der individuellen lebenslangen Erwerbsfähigkeit abhängt. Frauen erfahren soziale Absicherung in der kapitalistischen Geschlechterordnung im Rahmen der Ehe durch den Ehemann und durch staatliche Transferleistungen. Die zunehmende Neoliberalisierung seit den 1990er Jahren führten überdies zu einer Ausweitung unsicherer und untypischer Beschäftigungsverhältnisse, den Ausbau privater Altersvorsorge und damit zu einer Zunahme von Altersarmut. Weibliche Lebensmuster, die häufig durch eine problembehaftete Vereinbarung von Erwerbs- und Care-Arbeiten gekennzeichnet sind, finden aktuell leider kaum Berücksichtigung im sozialen Sicherungssystem.