Arbeit (kurz:erklärt)

In der Frauen- und Geschlechterforschung werden mit dem Begriff Arbeit nicht nur bezahlte Erwerbstätigkeiten bezeichnet, sondern alle Tätigkeiten, die zum gesellschaftlichen Fortbestand beitragen, also auch unbezahlte Hausarbeit, Kindererziehung oder Ehrenamt. Unterschieden wird zwischen produktiver Arbeit zur Herstellung von Gütern und reproduktiver zum Erhalt des menschlichen Lebens und der Arbeitskraft.

Seit der Industrialisierung im 19. bis weit ins 20. Jh. hinein wurde die Verantwortung für die in der privaten Sphäre anfallenden Aufgaben v.a. Frauen zugewiesen. Mit Verweis auf die gesellschaftliche Wichtigkeit dieser Arbeit wurde in den 1970er Jahren in der Hausarbeitsdebatte eine entsprechende staatlich finanzierte Entlohnung gefordert. Seit den 90ern beschäftigt sich die Forschung verstärkt mit dem wechselseitig verschränkten Verhältnis von Arbeit und Geschlecht.

Obwohl Geschlechtergleichheit gegenwärtig in Deutschland rechtlich und kulturell größtenteils realisiert ist, hält die Segregation und Geringbewertung von Frauenarbeit an. Bspw. sind ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle und ein geringer Frauenanteil in Führungspositionen zu beobachten. Dem werden politische Maßnahmen wie Gender Mainstreaming oder Diversity Management entgegengesetzt. Trotz sich wandelnder Rollenerwartungen und der zunehmenden Beteiligung von Männern im Haushalt belegen Studien, dass der Großteil reproduktiver Arbeit nach wie vor von Frauen geleistet wird. Außerdem wird Hausarbeit zunehmend an schlecht bezahlte migrantische Frauen delegiert, weshalb die Forschung verstärkt die Kategorien Ethnizität und Klasse einbezieht. Schließlich zeichnet sich aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich eine Care-Krise ab, die das Risiko von Versorgungslücken birgt.