Biologische Evolutionstheorie (kurz:erklärt)

Die biologische Evolutionstheorie beschreibt die sukzessive Veränderung von Arten durch Vererbung. Sie basiert auf der Idee, dass sich die heutige Vielfalt von Organismen aus früheren Arten entwickelte. Historisch wird sie auf Anfang des 19. Jhd. datiert und geht auf die Arbeiten von Charles Darwin zurück. Darwin entwickelte in seiner Studie On the Origin of Species eine Abstammungslehre, die die Artenentwicklung durch natürliche Selektion erklärt.

In der Gendertheorie werden die Prämissen von Darwins Arbeit heute kritisch diskutiert. So haben diskursanalytische Untersuchungen die Verzerrung von Fakten durch sexistische Vorurteile und heteronormative Ideen aufgezeigt. Geschlechtsspezifische Merkmale sind mit Darwin das Ergebnis eines Optimierungsvorgangs. Weibliche Individuen werden von männlichen Individuen im Rahmen der sexuellen Selektion gewählt und weisen ein geringeres Entwicklungsniveau auf. Der Kritik zufolge, werden in diesem Argument Geschlechterstereotypen vom Männlichen als das Aktive und dem Weiblichen als das Passive reproduziert. Auch die den Schriften Darwins zugrundeliegende rassistisch-koloniale Weltordnung – die gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Sozialdarwinismus mündete – sowie die kapitalistische Gesellschaftsstruktur werden kritisiert. Einzelne Fachdisziplinen, so z.B. die evolutionäre Psychologie und Soziobiologie, die soziales Verhalten durch genetische Anlagen begründen, sind Gegenstand feministischer Methodenkritik.

Die biologische Evolutionstheorie ist ein wichtiges Erklärungsmuster biologischer Forschung, erfuhr ab dem 20. Jhd. jedoch zahlreiche Überarbeitungen. Zentrale Aspekte, wie z.B. die Entstehung von Merkmalen durch Anpassungsdruck, wurden bereits widerlegt oder modifiziert.  Seit den 1970er Jahren werden alternative Methoden erarbeitet, die auf sexuelle Diversität und kooperative Interaktion fokussieren. Auch bieten Theorien wie der Darwinian Feminism Neuinterpretation Darwins, die der ursprünglichen Theorie eine kontinuierliche Veränderbarkeit von Körpern und Systemen zusprechen.