Diskriminierung (kurz:erklärt)

Der Begriff Diskriminierung bezeichnet die Ungleichbehandlung von Menschen. Im Rechtssinn benennt er jede benachteiligende, unsachliche Unterscheidung aufgrund gesetzlich geschützter Merkmale. Die Merkmale werden je nach Rechtsebene unterschiedlich definiert.

In der Praxis lassen sich jedoch Umsetzungsdefizite von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsrecht feststellen. Insbesondere mehrfach, intersektional Betroffenen wird rechtlicher Diskriminierungsschutz häufig nicht gerecht. Diskriminierungen finden sich auf interaktioneller, institutioneller oder struktureller Ebene und resultieren z.B. in ungleichen Lebensbedingungen oder Bildungschancen.

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive bilden Differenzkonstruktionen die Grundlage von Diskriminierungen. Sie entstehen aus Zuschreibung, Abstrahierung und Stereotypisierung. Sie führen zu Hierarchien, Ein- und Ausschlüssen und sind mit sozialen, ökonomischen, politischen oder rechtlichen Benachteiligungen verschränkt. Feministische und antirassistisch-postkoloniale Perspektiven betonen die überindividuelle Dimension von Diskriminierungen; sie sind als historisch gewachsenes, strukturelles Phänomen zu betrachten.

Demgegenüber sind sachlich begründete, mittelbare Unterscheidungen mitunter legitim, wie etwa arbeitsmarktpolitische Förderung älterer Arbeitnehmer:innen. Dies trifft jedoch nicht auf solche Maßnahmen zu, die scheinbar gleiche Bedingungen schaffen, sich aber an gesellschaftlichen Normvorstellungen orientieren. Bekleidungsvorschriften von Unternehmen, die das Tragen jeglicher Kopfbedeckungen verbieten, gelten daher als illegitim. Da sie vor allem muslimische Frauen treffen, handelt es sich um eine mittelbare, intersektionelle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der Religion.