Doing Gender (kurz:erklärt)

Der Begriff Doing Gender bezeichnet einen Analyseansatz, der Geschlecht nicht als naturgegebene Eigenschaft voraussetzt, sondern als Ergebnis alltäglicher Interaktionen begreift. Er untersucht, wie Menschen – bewusst oder unbewusst – durch ihr Handeln die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht signalisieren, und wie diese Signale von Anderen wahrgenommen und eingeordnet werden. Für den Ansatz wegweisend war die 1967 veröffentlichte Studie von Harold Garfinkel. Diese dokumentierte die Geschlechtsangleichung einer Transfrau, welche über die Praktiken berichtete, die sie sich aneignen musste, um im Alltag als Frau durchzugehen.

Doing Gender verdeutlicht, dass die meisten als geschlechtlich gedeuteten Verhaltensunterschiede auf Statusunterschiede zurückzuführen sind und die Erzeugung der eigenen Geschlechtlichkeit permanente Arbeit bereitet. Zudem sind Geschlechtsklassifikationen stetigem Wandel unterworfen und ergeben sich aus Kontext, Ort und Epoche. Als natürlich wird Geschlecht nur dann empfunden, wenn Konsens über die Klassifikationsschemata besteht. Der Ansatz untersucht außerdem Verflechtungen mit anderen Unterscheidungsformen wie Ethnizität oder Klasse.

Kritiken an der Doing-Gender-Perspektive fordern einen stärkeren Fokus auf die Verknüpfung des Geschlechtshandelns mit der Struktur geschlechtlicher Ungleichheit. Zudem besteht das Risiko, dass der Ansatz zur Stabilisierung von Geschlechtsunterscheidungen beiträgt. Dagegen richtet sich die Überlegung, verstärkt solche Interaktionsformen einzubeziehen, die zum Aussetzen oder Unterlaufen von Geschlecht beitragen (Undoing Gender).