Elternzeit (kurz:erklärt)

Der Begriff Elternzeit bezeichnet eine Freistellung aus einem Arbeitsverhältnis zur Betreuung eines Kindes. Diese Freistellung ist zeitlich befristet für max. 36 Monate pro Kind. Dies können nicht nur die leiblichen Eltern in Anspruch nehmen, sondern ebenso Eltern von Adoptivkindern oder Pflegekindern sowie auch eingetragene Partner:innen eines Elternteils und Großeltern. Während der Elternzeit wird ein staatliches Elterngeld gewährleistet, das in seiner Höhe abhängig vom letzten Einkommen ist. 

Vor der Wiedervereinigung gab es unterschiedliche Modelle der Elternzeit. In der DDR war es Müttern möglich, ein volles Jahr bei vollem Lohnausgleich und gesichertem Arbeitsplatz freigestellt zu werden. In der BRD hingegen wurde ein traditionelles Versorgermodell durch staatliche Maßnahmen gefördert, das eine männliche Erwerbstätigkeit und weibliche Haus- und Sorgearbeit vorsah. Änderungen in der Regelung zur Elternzeit gab ab der Jahrtausendwende z.B. mit den eingeführten Partnermonaten. Beantragen beide Elternteile jeweils mindestens zwei Monate Elternzeit, kann die Elternzeit so noch einmal verlängert werden.

Kritik an der bestehenden Regelung gab es bezüglich der Kopplung der Leistungen an das Einkommen, bei der besonders Eltern mit mittlerem und hohem Einkommen profitieren. Darüber hinaus wird Elterngeld als Einkommen auf das Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angerechnet. Auch werden mit der Elternzeit traditionelle Bilder von Elternschaft fortgeführt, da der juristische Begriff Eltern in Deutschland auf Mutter und Vater bezogen ist. Die heterosexuelle Kleinfamilie wird trotz der familienpolitischen Neuausrichtung nach 2001 weiter begünstigt. So kann trotz der „Ehe für alle“ (2018) ein:e homosexuelle:r Parter:in erst nach Adoption einen Anspruch auf Elternzeit geltend machen.

Nach Einführung der Partnermonate, die die Laufzeit des Elterngeldes verlängerten, haben mehr Väter als zuvor Elternzeit in Anspruch genommen. Im Durchschnitt nehmen jedoch Frauen deutlich mehr Elternzeit: 14,2 Monate; Männer nehmen durchschnittlich 3,8 Monate. Wie und ob Elternzeit genommen wird, ist Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung. Dabei wird insbesondere danach gefragt, welche Ungleichheiten sich für Frauen und Männer aus diesen Maßnahmen ergeben, welche Familienrollen damit verbunden sind oder wie die häusliche Arbeitsteilung ausgestaltet ist. Elternzeit und Elterngeld sind bisher nicht in der Lage, die traditionellen Muster der geschlechtlichen Arbeitsteilung zu durchbrechen, die häufig Ursache für die Schwierigkeiten in der Vereinbarung von Familie und Beruf sind.