Familienpolitik (kurz:erklärt)

Unter Familienpolitik werden sozialpolitische Maßnahmen zusammengefasst, die Familien mit Geld, Zeit und Infrastruktur staatlich unterstützten. Themen sind u.a. die 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung sowie Fragen der Geschlechtergerechtigkeit.

Das klassische, heteronormative Familienmodell basiert auf der bürgerlichen Familie des 19. Jahrhunderts. Das heißt, Mann und Frau leben als Elternteile in einer heterosexuellen Ehe, wobei der Vater für den Broterwerb und die Mutter für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig ist. Dieses Modell veränderte sich im 21. Jahrhundert: Heute gibt es z.B. Formen der vielfältigen Elternschaft (in Queer Families). Zum Beispiel: Alleinstehende mit Kindern oder gleichgeschlechtliche Elternteile. Sie alle fallen unter den Begriff Familie – letzte haben durch den Rückgang von diskriminierenden Gesetzen mittlerweile fast dieselben Rechte bei der Eheschließung und gemeinsamer Adoption wie heterosexuelle Paare.

Familienpolitische Maßnahmen wurden seit den 1980ern Jahren an den veränderten Arbeitsmarkt und die Maxime der Geschlechtergerechtigkeit angepasst. Wegweisend war zum Beispiel die Implementierung des Mutterschaftsurlaubs sowie die Einführung des Erziehungsurlaubs bzw. der Erziehungszeit. Im geteilten Deutschland gab es diesbezüglich gegenläufige Bewegungen: In der DDR konnten Mütter häufiger neben der Erziehung arbeiten, weil es mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gab. In der Nachwendezeit waren dies wichtige Impulse für eine bundesdeutsche Familienpolitik. Auch in der Bundesrepublik wurde es vielen Frauen wichtig, auch arbeiten zu gehen, um den Verdienst der Familie einzubringen.

In den 2000er Jahren rückten arbeitsmarktpolitische Argumente (Frauenerwerbsbeteiligung, frühkindliche Bildungsangebote etc.) in den Vordergrund. Die Unterstützungsmaßnahmen richteten sich zunehmend nach ökonomischen Kriterien bzw. dem beruflichen Erfolg der Eltern. Die Idee der Umverteilung im Sinne eines Familienlastenausgleiches ist ­damit Kritiker*innen zufolge im Niedergang. Prekär Beschäftigte profitieren heute beispielsweise kaum von Familienpolitik.