Feministische Rechtswissenschaft (kurz:erklärt)

Feministische Rechtswissenschaft bestreitet die Existenz eines geschlechtsneutralen, für alle gleichermaßen geltenden Rechts. Untersucht werden Frauen als rechtliche Akteurinnen, ihr Zugang zum Recht sowie die Auswirkungen von Recht auf ihr Leben. Alle feministisch-rechtswissenschaftlichen Strömungen teilen das Bemühen um Geschlechtergerechtigkeit. Umstritten hingegen ist der Gebrauch des Rechts als Mittel feministischer Politik. Es wird davor gewarnt, dass der Kampf um gleiche Rechte die Akzeptanz staatlich vermittelter Herrschaftsverhältnisse befördere und Frauen als schutzbedürftige Subjekte hervorbringe.

Ab den 1970-er Jahren forderten Feminist:innen, Geschlecht als rechtliches Unterscheidungskriterium abzuschaffen und differenzierende Regelungen nur zuzulassen, wenn sie auf körperlichen Unterschieden, nicht aber auf gesellschaftlich geprägten Ungleichheiten beruhen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach Gleichheit in der Differenz. Um tatsächliche Gleichstellung zu realisieren, wurde daher seit den späten 1980-er Jahren versucht, die soziokulturelle Lebenswirklichkeit von Frauen zu berücksichtigen. Mit der Konzeption von Frauenrechten als Menschenrechte oder der sozialrechtlichen Anerkennung von Hausarbeit sollte die konventionelle Aufteilung in öffentliches und privates Recht überwunden werden. Ein feministisches Dilemma besteht in der Reproduktion von Stereotypen, die bei geschlechtsspezifischen Fördermaßnahmen entsteht.

Intersektionale Ansätze fokussieren vor allem im Antidiskriminierungsrecht das Zusammenwirken des Geschlechts mit anderen Differenzkategorien. Darüber hinaus zielen queere Rechtswissenschaftler:innen im Sinne einer Entnaturalisierung und Dekonstruktion der binären Geschlechterordnung auf die Anerkennung von Trans- und Intergeschlechtlichkeit im Personenstandsrecht und auf die Transformation des Familienrechts.