Gender-Pay-Gap (kurz:erklärt)

 Der Gender-Pay-Gap ist eine statistische Kennzahl, die Unterschiede des Durchschnittsverdienstes von Frauen* am Durchschnittverdienst von Männern* darstellt. Der Gender-Pay-Gap wird in Prozent angegeben und basiert auf dem Bruttostundenverdienst. Unterschieden wird zwischen einem unbereinigten und einem bereinigten Wert. Der bereinigte Wert vergleicht Frauen und Männer mit ähnlichen Erwerbsbiografien und Qualifikationen. Im unbereinigten Wert werden Spezifika mitgerechnet, um bestimmte Kontinuitäten auf dem Arbeitsmarkt – wie z. B. geringe Berufserfahrung vieler Frauen durch Erwerbspausen – aufzuzeigen. Gemeinsam haben beide Werte, dass Männer mehr verdienen als Frauen. Der unbereinigte Gender-Pay-Gap betrug im Jahr 2015 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt etwa 21 % und ist seit mehr als einem Jahrzehnt relativ konstant. Der bereinigte Wert wird auf 7 % geschätzt. Gemessen am unbereinigten Wert hat Deutschland den zweithöchsten Wert in der EU.

Für den Gender-Pay-Gap gibt es viele theoretische Erklärungen. Die „Humankapitaltheorie“ führt Gehaltsunterschiede beispielsweise auf die freie Wahl zurück. Ihr zufolge entscheiden sich Frauen* dazu, mehr oder weniger verdienen. Feministische Ansätze weisen jedoch auf Machthierarchien und Geschlechtsstereotype hin, die strukturell auf dem Arbeitsmarkt wirken. Empirische Befunde bestätigen dies: In Berufen, die als weiblich wahrgenommen werden, gibt es statistisch gesehen schlechtere Aufstiegschancen und ein geringeres Entgeldniveau.

Die geschlechtsspezifische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt gilt darüber hinaus auch für transidente Personen. Trans*gender Frauen verdienen generell weniger als trans*gender Männer, wobei das Gehalt nicht binärer Personen durchschnittlich am niedrigsten ist. Auch andere Strukturkategorien wie Alter und Race wirken sich auf das Durchschnittsgehalt aus. Analog dazu verdienen Frauen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, ebenfalls weniger.