Haushalt (kurz:erklärt)

Unter dem Begriff Haushalt wird nicht nur ein physischer Ort des Wohnens verstanden, sondern auch ein soziales Gefüge. In ihm befriedigen Menschen Grundbedürfnisse wie Essen oder Schlafen. Außerdem dient er zur sozialen Reproduktion, womit z.B. die Kindererziehung, die Versorgung von Alten und Kranken sowie die Weitergabe von Sinn- und Wertevorstellungen gemeint ist. Allerdings ist der Haushalt auch ein Raum, in dem Ungerechtigkeiten zwischen Geschlechtern sowie Homo- und Transfeindlichkeit überdauern.

In der Antike war das Haus ein wirtschaftliches Zentrum, in dem Lebensmittel selbstständig hergestellt und konsumiert wurden. Vorsteher einer Hausgemeinschaft war der Vater, der über die Regeln des Zusammenlebens bestimmte. Er allein besaß das Bürgerrecht. Während der Industrialisierung verlor das Haus seine wirtschaftliche Bedeutung, geblieben ist die dominante Stellung von Männern. Die Produktion von Waren verlagerte sich in Fabriken, wodurch das Haus zu einem privaten Raum wurde, abgetrennt von der beruflich-öffentlichen Welt. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mussten zumeist Frauen den Haushalt führen, ohne dafür entlohnt zu werden, während sich Männer in höherem Maße ihren beruflichen Karrieren widmen konnten. Verstärkt wurde dieses geschlechterspezifische Ungleichgewicht durch Gesetze, die z.B. die rechtliche Vormundschaft von Männern über ihre Ehefrauen regelten. Heute befinden sich die historisch gewachsenen Geschlechterrollen im Wandel. Die zunehmende Beschäftigung schlechtbezahlter Haushaltshilfen aus dem Ausland deutet jedoch auf die Entstehung neuer Abhängigkeitsverhältnisse hin.

Die haushaltsinterne Verteilung von Einkommen wurde bislang in den Wirtschaftswissenschaften zu wenig untersucht. Zukünftig sollte genauer erforscht werden, welchen Einfluss die Einkommensverteilung auf die Selbstbestimmung der einzelnen Haushaltsmitglieder nimmt und welche Rolle dabei das Geschlecht spielt.