Mutterschaft (kurz:erklärt)

Mutterschaft ist das familiäre Verhältnis einer Frau zu ihrem leiblichen Kind. Innerhalb dieses Verhältnisses hat eine Frau für ihr Kind zu sorgen und tritt mit ihm auf exklusive Weise in Beziehung. Die Idee einer intimen Mutter-Kind-Beziehung hängt historisch mit der Herausbildung der bürgerlichen Familie im 19. Jahrhundert zusammen, in der Erwerbs- und Familienarbeit zunehmend getrennt wurden. Daran anknüpfend gewann auch die Vorstellung einer „guten Mutterschaft“ in der Pädagogik an Bedeutung. Bestimmte Praktiken, wie das Stillen des leiblichen Kindes, wurden so als eine Form mütterlicher Fürsorge anerkannt.

Mütterlichkeit wurde im 20. Jahrhundert in unterschiedlichen Diskursen ideologisch instrumentalisiert. Ein Beispiel für den deutschsprachigen Raum ist die nationalsozialistische Mutter im Dienst des „Volkskörpers“, oder rigide Vorstellungen von Mutterschaft im Rahmen der „Hausfrauenehe“ in der westdeutschen Nachkriegszeit.

Staatliche Politik kann Mutterschaft fördern oder verhindern. Die institutionelle Anbindung von Mutterschaft, so etwa die Frage nach Kinderbetreuung, wurde von feministischer Seite dabei häufig kritisiert. Trotz neuer Angebote zur Förderung weiblicher Selbstbestimmung sind die Anforderungen an moderne Mutterschaft weiterhin hoch und Mütter erleben auch heute unterschiedliche Formen von Diskriminierung.

Wichtige Themen innerhalb der unterschiedlichen Kämpfe sind die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kritik am gesellschaftlichen Mutterideal, oder Mutterschaft als unbezahlte Arbeit.

Auch in unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Ansätzen wird Mutterschaft zum Angelpunkt für ein patriarchales Herrschaftsverhältnis. Hier wird u.a. auch argumentiert, dass die binäre Konzeption (binär bedeutet, dass nur zwei Kategorien vorhanden sind) von Mutter-Vater zur Reproduktion des Geschlechterverhältnisses beiträgt. In der gegenwärtigen Forschung werden diese und andere Debatten empirisch aufgegriffen und um neue Ansätze (z.B. queere Mutterschaft, bereute Mutterschaft, Leih- oder Vertragsmutterschaft) ergänzt.