Sexualpädagogik (kurz:erklärt)

Sexualpädagogik erforscht die sexuelle Sozialisation sowie die erzieherische Einflussnahme auf die Sexualität von Menschen aller Lebensalter. Nach 1945 konkurrierten in Deutschland vor allem die Strömungen der konservativ-repressiven, der vermittelnd-liberalen und der emanzipatorischen Sexualpädagogik miteinander.

Seit den 2000-er Jahren dominiert eine neue Denkrichtung, die Ansätze aus den Erziehungs- und Sexualwissenschaften sowie Gender- und Queer-Studies aufgriff.  Sie wird als kritisch-konstruktive Sexualpädagogik bezeichnet. Sie geht davon aus, dass es mehr als die beiden Geschlechter Mann und Frau gibt und dass Heterosexualität nicht die einzige natürliche Form sexuellen Begehrens darstellt. Wichtige Entstehungsimpulse waren die LSBTI*-Bewegung, das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Sexualität oder das Wissen über sexuellen Missbrauch in pädagogischen Einrichtungen. Das Hauptziel kritisch-konstruktiver Sexualpädagogik besteht darin, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine selbstbestimmte sexuelle Identitätsentwicklung frei von Gewalt und traditionellen Normalitätsvorstellungen zu ermöglichen. Die sexuelle Identität wird als individuell konstruierte, veränderbare Ausprägung von Sexualität verstanden. Sie setzt sich aus zahlreichen Teilaspekten zusammen: der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung, sexuellen Vorlieben, unterschiedlichen Formen der Beziehungs- und Familiengestaltung sowie der Elternschaft. Es werden Lernräume gefordert, in denen Akzeptanz für vielfältige Lebensweisen gelebt wird.

Publikationen der kritisch-konstruktiven Sexualpädagogik rufen regelmäßig heftigen Protest von Anhänger:innen traditioneller Geschlechts- und Sexualitätsvorstellungen hervor.