Situiertes Wissen (kurz:erklärt)

Der Begriff situiertes Wissen geht zurück auf Donna J. Harraway (geboren 1944). Sie entwickelte ihn als Reaktion auf die vorherrschende Meinung, dass Wissen immer objektiv, also universell gültig ist. Harraway geht davon aus, dass das, was wir wissen, kulturelle und geschichtliche Ursprünge hat und somit nicht unabhängig von Menschen (Subjekten) erzeugt wird. Die historische und kulturelle Spezifik jeder Wissensform drückt sich in dem Begriff situiert aus. 

Harraway kritisiert die Denkmuster der westlichen Gesellschaft. Denkmuster, die in Gesellschaften vorherrschen, werden Episteme genannt. Diese drücken ein bestimmtes Machtverhältnis aus. So gilt das naturwissenschaftliche Wissen als das einzig richtige Wissen. Damit verbunden ist auch ein Blick von außen auf bestimmte Objekte, die untersucht werden. 

So befürwortet sie, dass das Untersuchungsobjekt als Teil des Forschungsprozesses wahrgenommen wird. Beispielhaft ist der Unterschied zwischen den Begriffen sex (biologisches Geschlecht) und gender (sozial konstruiertes Geschlecht). Die reine wissenschaftliche Einteilung von körperlichen Merkmalen nach männlich und weiblich und die kulturellen und geschichtlichen Annahmen über diese Merkmale bestimmen die weitere Wissensgenerierung.

Wichtig ist für Harraway, dass Denken auch Verantwortung bedeutet. Wenn zum Beispiel der Amazonas Regenwald und wie dieser genutzt werden kann, untersucht werden soll. Es ist wichtig, diesen auch als Lebensraum indigener Völker zu sehen und zu fragen, welchen Blick diese darauf haben. 

Wissen ist also nicht neutral. Und wie wir Wissen produzieren, hat Auswirkungen darauf, wie wir die Welt wahrnehmen und welche Handlungen daraus folgen. Situiertes Wissen bedeutet, dass wir bereits mit Denkmustern über diese Welt ausgestattet sind, diese hinterfragen müssen und verantwortungsvoll mit der Macht umgehen, die wir durch die Reproduktion von Wissen haben.