Gayatri Chakravorty Spivak (kurz:erklärt)

Gayatri Chakravorty Spivak, Literaturwissenschaftlerin, gilt als Mitbegründerin des postkolonialen Feminismus. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die komplexen Unterdrückungsmechanismen, denen Frauen des Globalen Südens durch hegemoniale Diskurse ausgesetzt sind. Spivak nimmt insbesondere geschlechter- und klassenspezifische Widersprüche innerhalb des Globalen Südens in den Blick. Mit theoretischen Einflüssen aus Feminismus, Dekonstruktion und Marxismus untersucht sie dabei Schnittstellen zwischen den Differenzkategorien gender, race und class.

In ihrem bekanntesten Essay Can the Subaltern Speak? von 1988 entwickelt sie die These, dass marginalisierte Frauen des Globalen Südens nicht sprechfähig seien, da ihre Botschaften bei den Adressaten ungehört blieben. Das Phänomen der dabei entstehenden politischen Handlungsunfähigkeit bezeichnet Spivak als epistemische Gewalt. Postkoloniale Feminist:innen hätten daher die politische Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen Marginalisierte sprachmächtig werden können.

In den letzten Jahrzehnten beschäftige sich Spivak zunehmend mit Fragen einer politisch engagierten Pädagogik sowie der Zukunft der als euro- und androzentrisch kritisierten Literaturwissenschaft. Kritiker:innen bemängeln an Spivaks Werk, das von ihm eine politisch lähmende Wirkung ausgehe. Marxistische Kritiken fokussieren zudem das mangelnde Bekenntnis zu alternativen Wirtschaftsordnungen und sehen in Spivak eine orientierungslose Linke.