Vaterschaft (kurz:erklärt)

Der Begriff Vaterschaft definiert die Rechte, Pflichten und Praxis der sozialen Rolle „Vater“. Vater im juristischen Sinne ist ein Elternteil entweder durch den Ehestatus zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes, oder durch eine urkundliche Vaterschaftsanerkennung, die der Zustimmung der Mutter bedarf. Vaterschaft steht in dieser Definition im Zeichen der Heteronormativität. Heteronormativität ist die Bezeichnung für die Sichtweise, in der Heterosexualität eine soziale Norm darstellt. Das heißt, alles was nicht in diese Norm passt ist 'nicht normal'. Sie ist also eng an gesellschaftliche Erwartungen geknüpft. In der Väterforschung hat sich deshalb auch der Begriff Vatersein (fathering) etabliert: Im Gegenzug zu Vaterschaft (fatherhood) definiert Vatersein soziales Handeln in Form von Sorgearbeit (Care). Neuere Forschungen beschäftigen sich auch mit modernen Formen des Vaterseins (z.B. in Familien mit gleichgeschlechtlichen Elternteilen).

Die Vorstellung zur Vaterschaft und die damit einhergehende Rollenaufteilung fällt historisch mit der Herausbildung der bürgerlichen Familie im 19. Jhd. zusammen. Erwerbs- und Familienarbeit wurden im Zuge der Industrialisierung zunehmend getrennt; Väter waren nicht mehr Teil des Haushalts, Mütter wiederum zuständig für die anfallenden Sorgetätigkeiten. In modernen Industriestaaten setzte sich so ein Alleinernährer-Modell durch, das im Rahmen konservativer Familienpolitik in Westdeutschland bis in die 1970er Jahre dominierte.

Heute werden tradierte Leitbilder von Vaterschaft zunehmend abgelehnt. Studien zeigen, dass sich viele Väter wünschen, aktiv an Pflege und Kindererziehung teilzunehmen. Die familienpolitischen Grundlagen dafür (z.B. Elterngeld oder Elternzeitmöglichkeiten für Väter) werden immer häufiger in Anspruch genommen. Der Forschungsstand zu Arbeitsteilung von Elternteilen zeigt jedoch auch, dass alte Rollenbilder weiterhin aktiv sind: Mütter arbeiten oft in Teilzeit und viele Väter erwirtschaften weiterhin den Hauptanteil des Familieneinkommens. Dies wird u.a. durch die rechtliche Situation (z.B. durch das sog. Ehegattensplitting) und Geschlechternormen, die Frauen mehr Sorgekompetenz zuweisen als Männern, begünstigt.